Über dieses Kleid diskutiert die Welt

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DAMIT hatte niemand gerechnet – am allerwenigsten Caitlin McNeill selbst. Als sie vor einiger Zeit die Fotografie eines Kleides im Internet veröffentlichte, interessierte sie eigentlich nur dessen Farbe. Oder vielmehr die diesbezügliche Meinung ihrer Mitmenschen, denn einige von McNeills Familienmitgliedern erkannten auf dem Bild ein blau-schwarz gemustertes Kleidungsstück, andere ein weiß-goldenes. Kaum aber war die digitalisierte Aufnahme online, schnappte die User-Gemeinde über…

Ein Kleid geht um die Welt

kleid_beide FarbenZahlreiche Nutzer diverser Internet-Plattformen meldeten sich zu Wort. Sowohl auf schriftlichem wie auf telefonischem Weg gingen die Ansichten über die Farbgebung des Kleides auseinander. Ausgehend von der schottischen Insel Colonsay – auf der Caitlin McNeill ein paar freie Tage verbracht und ihr Bild eingestellt hatte – verbreitete sich die Fotografie rasch über den gesamten Erdball. Und überall wurde diskutiert, ob das abgebildete Kleid nun blau-schwarz oder weiß-gold gemustert ist. Wie das?

Wie wir Farben sehen

Was das menschliche Auge sieht, hängt sowohl von der eigentlichen Farbe des Objektes als auch von der Wellenlänge des darauf auftreffenden Lichtes ab. So wirft ein weißer Gegenstand wesentlich mehr Helligkeit zurück als ein dunkler – und ein getönter hinterlässt je nach Bestrahlungsintensität einen bestimmten Farbeindruck. Wird er mit bunt angeleuchtet, vermengen sich seine eigene Farbe und die des Lichtes zu einem neuen Ton. Doch auch das Gehirn arbeitet an der Farbwahrnehmung mit. Es denkt sich seinen Teil – und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn es greift auf bereits gemachte Erfahrungen zurück und ergänzt das, was es (nicht) „sieht“ zur Not auch selbständig.

Was hat das mit dem Kleid zu tun?

Den beschriebenen Trick wendet das Gehirn auch im Falle von McNeills Kleid an: Da dieses aus changierendem – also verschiedenfarbig schillerndem – Stoff besteht, lässt sich zunächst kein genauer bzw. eindeutiger Ton erkennen. Da eine konkrete Zuordnung zur besseren Orientierung beiträgt, vergleicht das Gehirn die Farbe des Kleides mit gespeicherten Erinnerungen. Ob Sie einen blau-schwarz oder einen weiß-gold gemusterten Stoff sehen, hängt also im Wesentlichen davon ab, welche Erfahrung Sie mit den genannten Farben bereits gemacht haben.

Getestet und für blau-schwarz befunden

Um herauszufinden, welche Farbe das von McNeill gepostete Kleid tatsächlich hat, gibt es einen einfachen Test: Der Elektrophysiologe Prof. Dr. rer. nat. Michael Bach vom Universitätsklinikum Freiberg empfiehlt, den Stoff durch einen Bogen gelochtes Papier zu betrachten. Die Lichtbündelung reduziert das Schimmern und lässt eindeutig ein blau-schwarzes Muster erkennen. Dieses Ergebnis bestätigte auch die Urheberin der Debatte, Caitlin McNeill. Ob sie ein Abbild des Kleides zur Erinnerung auf Fotoleinwand ziehen möchte, ist jedoch nicht belegt.



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